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Nachtschreck: Hilfreiche Experten-Tipps für Ihr Kind

So gefährlich ist der Nachtschreck wirklich. Ein leicht verständlicher Ratgeber mit den besten Maßnahmen und vielen hilfreichen Tipps gegen die nächtliche Schlafstörung.

nachtschreck
Philipp Schmitt

von:

Philipp Schmitt
Experte für Schlafstörungen  24 Ratgeber seit 2020

Phil ist immer an den neuesten technischen & digitalen Trends rund ums Schlafen interessiert, um das ruhigste Lebensdrittel so geruhsam & erholend wie nur möglich zu gestalten.

aktualisiert am:

Rechtzeitig schlafen gehen - ein leidvolles und herausforderndes Thema für alle Eltern.

  • Schließlich haben Kinder eine Menge Reserven in sich schlummern und lassen ihrer Energie nicht selten erst kurz vorm Zubettgehen wieder freien Lauf.
  • Wenn Ihre Kinder dann irgendwann glücklicherweise doch müde genug sind und selig einschlafen, ist das ein gutes Zeichen.

Schließlich haben Sie sich als sorgende Eltern auch ein wenig Ruhe verdient.

  • Schlaf gilt als wichtigster Faktor für die gesunde Entwicklung unserer Babys
  • Es gibt viele Schlafstörungen, unter denen Ihre Kinder unbewusst leiden können

Nun ist das Durchschlafen in jungen Jahren eine Kunst und Ihr Nachwuchs nicht selten ein exzentrischer Künstler.

Vom Säuglingsalter bis in die frühe Jugend hinein können sich alle Eltern glücklich schätzen, wenn ihre Kinder selig die ganze Nacht ohne Probleme durchschlummern.

In den meisten Fällen können die Kinder für diesen unangenehmen Zustand nichts. Ganz im Gegenteil: Sie sind diejenigen, die unter dem Schlafmangel durch die ausgelösten Schlaf- oder Aufwachstörungen am allermeisten leiden.

schlafstörungen kinder

Der Nachtschreck ist eine der häufigsten Schlafstörungen seiner Art bei kleinen Kindern und kann sehr belastend für die Eltern werden.

Wer schon mal dieses unangenehme nächtliche Schauspiel des eigenen Kindes live miterleben durfte, der weiß, wovon ich spreche.

Inhaltsverzeichnis

Was ist überhaupt ein Nachtschreck?

Als ich das Wort “Nachtschreck” zum ersten Mal gehört habe, dachte ich an die Wirkung eines Traumfängers.

nachtschreck kinderDer Nachtschreck ist eine der häufigsten Schlafstörungen bei Kindern.

Eine kleine Schlafhilfe, die wie eine Vogelscheuche im Kinderzimmer aufgebaut wird und Ihrem Kind die Angst vor dem Einschlafen nimmt. Die bösen Geister der Nacht sollen verschreckt und vertreiben werden.

Dem ist natürlich nicht so:

Der Nachtschreck (lat. Pavor Nocturnus) gehört zu den häufigsten Schlafstörungen bei Kindern.

Wie aus dem Nichts empfindet Ihr Kind in der Nacht ein Gefühl der panischen Angst.

Sie hören einen lauten Schrei aus dem Kinderzimmer und Ihr Kind befindet sich nicht mehr in der Schlafposition, sondern sitzt oder steht. In der Mimik Ihres Kindes lässt sich Angst oder Wut ablesen, zudem tritt Angstschweiß auf.

In der Regel sind die Augen Ihres Kindes weit geöffnet, so als ob es unter starkem Stress steht oder einen Schock erlitten hat. Der Puls schlägt rasend schnell und die Herzfrequenz ist ebenfalls wie die Atemfrequenz stark erhöht.

  • Möglicherweise beginnt Ihr Kind auch während dieser Phase zu sprechen, allerdings kommen nur wirre und unzusammenhängende Sätze dabei heraus.
  • Es wirkt orientierungslos und kann sich auch nicht durch Sie als fürsorgliche Eltern beruhigen lassen.

nachtschreck symptomeTrotz elterlicher Fürsorge kann der Nachtschreck auftreten - meist ein paar Stunden nach dem Einschlafen.

Und das aus “gutem” Grund: Ihr Kind hat die Schlafphase nicht verlassen und ist noch gar nicht richtig wach. Es mag zwar sehr seltsam auf dem ersten Blick erscheinen, da Ihr Kind viele Anzeichen eines wachen Zustandes abgibt.

Insbesondere im ersten Drittel der Nachtruhe taucht der Nachtschreck wie aus dem Nichts bei Ihrem Kind auf.

Zwischen 2 und 3 Stunden nach dem Einschlafen werden die meisten Kinder von diesem Phänomen heimgesucht.

Und das völlig unvermittelt – Es gibt vorher keine richtigen Anzeichen oder Symptome dafür. Ihr Kind ist wie gewohnt ganz normal eingeschlafen und bis zu diesem Moment konnten Sie nichts Ungewöhnliches feststellen.

Ist es also etwas Ernstes und müssen Sie sich Sorgen um Ihr Kind machen?

Keine Sorge: Ein Nachtschreck ist meist völlig unbedenklich

Es mag zunächst sehr unheimlich erscheinen. Als ob Ihr Kind besessen ist und wie in Trance scheint.

Erinnerungen an schlechte Horrorfilme werden wieder hervorgerufen. Nur, dass Sie diesmal selbst Teil davon sind und das ganze Spektakel live beobachten können.

nachtschreck erfahrungOft vergeht der Nachtschreck nach ein paar Malen von selbst.

Auch wenn es nach etwas Ernsthaften ausschaut, so kann ich Ihnen für diesen nächtlichen Vorfall Entwarnung geben:

Der Nachtschreck ist in den meisten Fällig unbedenklich für Ihr Kind.

Es sind keine medizinischen Studien bekannt, in denen Kinder durch den Nachtschreck gesundheitlich beeinträchtigt oder gar geschädigt werden.

Es handelt sich im medizinischen Sinne weder um eine Krankheit oder ein ernsthaftes Leiden und steht nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit einer psychischen Störung.

Vielmehr hängt es mit der normalen Entwicklung des zentralen Nervensystems Ihres Kindes zusammen.

Medizinisch betrachtet gilt der Nachtschreck als harmlos, solange er nur selten und in unregelmäßigen Abständen auftritt. Aber was genau bedeutet das und wie häufig ist selten und unregelmäßig?

Die Häufigkeit eines Nachtschrecks ist sehr individuell und variiert stark von Kind zu Kind. Die Abstände zwischen zwei Vorfällen kann mehrere Tage und Woche betragen.

Ebenfalls möglich sind sie aber in noch unregelmäßigeren Abständen zwischen Monaten und Jahren.

Es gibt hierbei keine wirkliche Faustregel, an der Sie sich orientieren können. Alles geht hier nach Ihrer persönlichen Einschätzung, ob aufgrund der Begleitumstände Ihres Kindes die Vorfälle als normal zu sehen sind.

Das weiß niemand so gut wie Sie selbst und mit ein bisschen Fingerspitzengefühl wissen Sie die Situation korrekt einzuschätzen.

Nachtschreck: Professionelle Behandlungsmöglichkeiten

Grundsätzlich aber gilt: Je häufiger ein Nachtschreck bei Ihrem Kind in kürzeren Abständen auftritt, desto deutlicher ist das ein Signal dafür, dass irgendetwas im psychologischen Zustand Ihres Kindes nicht in bester Ordnung ist.

nachtschreck arztAuch wenn die Gründe für den Nachtschreck meist gesundheitlich unbedenklich sind: Zögern Sie nicht, Ihren Arzt um Rat zu bitten.

In diesem Fall sollten Sie den Kinderarzt Ihres Vertrauens gemeinsam mit Ihrem Kind konsultieren und ihm die Situation erläutern.

Gemeinsam können Sie die Situation analysieren und über mögliche Gegenmaßnahmen sprechen.

Es gibt darüber hinaus noch einige Vorkommnisse, bei denen es ratsam ist, einen Arzt aufzusuchen:

  • Der Nachtschreck bleibt über das 7. Lebensjahr bestehen
  • Bei älteren Kindern wird das erste Mal der Nachtschreck registriert
  • Der Nachtschreck tritt nach überstanden geglaubter längerer Pause erneut auf
  • Nach einem traumatischen Erlebnis taucht der Nachtschreck wiederholt auf
  • Ihr Kind hat eine vom Arzt diagnostizierte psychische Erkrankung

Der Nachtschreck ist per se nicht heilbar durch Medikamente, er kann aber medikamentös behandelt und das Risiko eines Auftretens minimiert werden. Damit sollten Sie aber besonders bei Kindern in jungen Jahren vorsichtig sein.

Da der Nachtschreck eine verhältnismäßig harmlose Schlafstörung bei Kindern ist, so würden Sie eher mit Kanonen auf Spatzen schießen.

Ein gelassener und verantwortungsbewusster Umgang hiermit ist von elterlicher Seite der erste Therapieschritt.

Schließlich bekommt Ihr Kind von dem auftretenden nächtlichen Phänomen rund um seine eigene Person ja gar nichts mit.

Tritt der Nachtschreck aber in sehr häufigen kurzen Abständen auf, so ist am ehesten noch der Einsatz von pflanzlichen Heilmitteln sinnvoll.

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Sind Psychopharmaka wie beispielsweise Tranquilizer, Antidepressiva, niederpotente Neuroleptika oder Hypnotika erforderlich, so sollten sie nur in durch einen Kinderpsychiater verabreicht werden.

Hat mein Kind wirklich Nachtschreck? Eine Abgrenzung zu anderen Erscheinungen

Zunächst gilt festzuhalten, dass der Nachtschreck keine Krankheit, sondern eine Schlafstörung ist.

Damit Sie richtig einschätzen können, ob Ihr Kind wirklich am Nachtschreck laboriert, ist der Vergleich zu anderen Krankheiten, Schlafstörungen und Unregelmäßigkeiten sinnvoll, um den Nachtschreck davon abzugrenzen.

Erst dann kann eine Psychotherapie in Form einer Verhaltenstherapie sinnvoll für Ihr Kind sein.

Bei einer detaillierten Untersuchung im Schlaflabor können neben epileptischen Anfällen auch andere mögliche Erkrankungen im Schlaf erkannt bzw. ausgeschlossen werden.

runtastic schlaf app kostenlosTipp: Beobachten Sie das Schlafverhalten für einige Zeit mit einer Schlaf App.

Diesen weitergehenden Untersuchungen und Maßnahmen geht aber der Besuch beim Kinderarzt voraus.

Dieser weiß über den Krankheitsverlauf Ihres Kindes am besten Bescheid. Und ebenfalls, wie ein Nachtschreck von anderen Dingen abzugrenzen ist und kann sicherlich aus beruflicher Erfahrung Ihnen beratend zur Seite stehen.

Sind Sie also sicher, dass Ihr Kind bereits einen Nachtschreck hatte? Die folgenden anderen Vorkommnisse und Erscheinungen ähneln dem Nachtschreck und können leicht verwechselt werden:

Albträume

Am leichtesten vom Nachtschreck können Albträume abgegrenzt werden. Warum? Weil sich Ihr Kind morgens früh noch an den Albtraum erinnern kann und dieser nicht in der gleichen Schlafphase vorkommen kann wie der Nachtschreck.

Albträume sind normal und jeder Mensch wird früher oder später einmal schlecht träumen. Im Gegensatz zum Nachtschreck und die gelebten Momente während dieses Schlafphänomens kann sich Ihr Kind allerdings am nächsten Morgen nicht mehr erinnern.

Das heißt im Klartext: Erleidet Ihr Kind einen nächtlichen Albtraum, so können Sie den Nachtschreck direkt ausschließen.

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Schlafwandeln

Das Schlafwandeln kann entweder in Kombination mit dem Nachtschreck oder alleine auftreten. Es gehört wie der Nachtschreck zu der Unterkategorie der Aufwachstörungen. Ähnlich wie beim Nachtschreck sind erbliche Faktoren, fiebrige Erkrankungen und psychischen Stress die häufigsten Auslöser.

Wichtig: Gehen dem Schlafwandeln keine der oben genannten Symptome voraus, so handelt es sich nicht um den Nachtschreck, sondern “nur” ums Schlafwandeln. Sie müssen aber die gleichen, wenn nicht sogar striktere Maßnahmen ergreifen, damit sich Ihr Kind nicht durch das Schlafwandeln verletzen kann.

Schlaftrunkenheit

Auch die Schlaftrunkenheit ist eine Aufwachstörung und tritt in der gleichen Schlafphase wie der Nachtschreck auf. Symptome ähneln dem Nachtschreck, allerdings können sich Kinder meistens bruchstückhaft an diesen Zustand erinnern und wachen aus der Schlafphase von alleine auf, nur um kurz darauf wieder einzuschlafen.

Schlaftrunkenheit tritt viel häufiger als der Nachtschreck auf und begleitet Ihre Kinder bis ins Jugendalter. Im Gegensatz zum Nachtschreck ist die Schlaftrunkenheit aber ein ruhigeres Phänomen ohne Angstschweiß und erhöhte Atem- und Herzfrequenz.

Sprechen im Schlaf

Ob es normal ist im Schlaf zu sprechen, wird Ihr Kind nicht wissen. Denn von dem unzusammenhängenden Gemurmel wird Ihr Kind selber rein gar nichts mitbekommen. Im Schlaf zu sprechen ist völlig harmlos und nicht anderen Schlafstörungen zu verwechseln.

Im Gegensatz zum Nachtschreck befindet sich Ihr Kind während es im Schlaf spricht noch körperlich in der Schlafphase und liegt ganz normal mit geschlossenen Augen im Bett.

Schlafepilepsie

Die Symptome verschiedener Epilepsien können ebenfalls in den Schlafphasen auftreten. Sie können am deutlichsten durch Muskelzuckungen oder Verspannungen, bzw. Verkrampfungen auftreten, die für den Nachtschreck jedoch völlig unüblich sind.

Wichtig: Beobachten Sie diese Verhaltensweisen bei Ihrem Kind das erste Mal, sollten Sie sich diese genau merken oder ein Video aufzeichnen, um es hinterher dem behandelnden Kinder- oder Facharzt genau beschreiben zu können.

Tagangst (Pavor diurnius)

Bei sehr lebhaften Kindern können die gleichen Phänomene wie beim Nachtschreck auch bei Tag während des Mittagsschlafes beobachtet werden.

Im Gegensatz zur Nachtangst tritt die Tagangst aber eher bei Kleinkindern auf und der Mittagsschlaf endet mit einem abrupten Erwachen.

Wer ist vom Nachtschreck betroffen?

Vorwiegend Klein- und Schulkinder im Alter zwischen 2 und 7 Jahren sind vom Nachtschreck betroffen. Am häufigsten geschieht dieses nächtliche Phänomen zwischen dem 5. und 7. Lebensjahr Ihres Kindes.

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Der Nachtschreck betrifft Mädchen und Jungen. Insgesamt sind Jungen häufiger betroffen als Mädchen. Die Altersspanne variiert und die frühesten Fälle wurden bereits bei Babys im Alter von 9 Monaten diagnostiziert.

Wissenschaftlern ist es gelungen, durch ihre Forschung einige Charakteristika zu ermitteln und die Betroffenen des Nachtschrecks etwas detaillierter zu kennzeichnen:

  • 1 bis 6 % aller Kinder betroffen
  • Ungefähr 15% der Kinder im Alter zwischen 4 bis 6 Jahren haben mindestens schon einmal einen Nachtschreck erlitten
  • Die Erkrankung tritt familiär gehäuft auf
  • Zwischen dem fünften und siebten Lebensjahr kommt Nachtschreck am häufigsten vor

Nachtschreck ist ein Entwicklungsphänomen des zentralen Nervensystems. Meist liegt eine familiäre Vorbelastung vor. Wissenschaftlichen Studien zufolge wurde ein Zusammenhang bei Verwandten ersten Grades und zu einem geringen Prozentsatz auch zweiten Grades ermittelt.

Das kann ein Anzeichen dafür sein, dass entweder Sie oder Ihr/e Partner/in ebenfalls in der Kindheit am Nachtschreck laborierten. Möglicherweise blieb es zu Ihrer eigenen Kindheit unentdeckt oder wurde damals nicht klar als Nachtschreck wahrgenommen.

Hochbegabte und introvertierte Kinder gelten statistisch gesehen als besonders empfindlich für den Nachtschreck.

Auch Allergien (dagegen helfen Matratzen Encasings und Allergiker Bettwäsche) stehen im Verdacht, diese Schlafstörung zu begünstigen.

In wenigen Fällen kann es unbehandelt bei Erwachsenen vorkommen und sie ein Leben lang begleiten. Tritt ein Nachtschreck im Erwachsenenalter auf, sind häufig psychische Vorerkrankungen wie Angststörungen, Depressionen oder Schizophrenie die Auslöser.

In diesem Falle lohnen sich Therapien und Gegenmaßnahmen. Ungeachtet der verhältnismäßig milden Verlaufsform über die Jahre gesehen gibt es vielerlei Behandlungsmethoden, die Sie mit Ihrem Arzt abklären sollten.

Schließlich geht es am Ende auch um einen gesunden und erholsamen Schlaf – Und der ist völlig unabhängig vom Alter.

Was kann der Auslöser des Nachtschrecks sein?

Nach der Pubertät tritt die Erkrankung nur noch ganz selten auf.

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Es gibt noch einige Faktoren neben den genetischen Vorbelastungen, die den Nachtschreck Ihres Kindes begünstigen, bzw. leichter hervorrufen können:

  • Übermüdung, bzw. Schlafmangel
  • Krankheiten
  • Erschöpfung
  • Gebrauch von neuen Medikamenten, an die sich der Körper erst gewöhnen muss

Es wurde in wissenschaftlichen Studien ermittelt, dass für den Nachtschreck begünstigende Faktoren möglicherweise fiebrige Erkrankungen sind.

Fieber setzt den Organismus Ihrer Kinder unter Stress und Unwohlsein und nicht selten tritt der Nachtschreck in Phasen während stark erhöhter Temperaturen auf.

Darüber hinaus können auch einige tiefgründige psychologische Ursachen für den Nachtschreck verantwortlich sein, die Eltern nicht sofort mit diesem Phänomen in Zusammenhang bringen.

Beispielsweise kann das das Schlafen in einer fremden Umgebung sein.

Auch wenn Ihr Kind eine ungewohnte Umgebung wie die Ferienwohnung oder das Übernachten bei Verwandten oder Fremden gerne als Abenteuer wahrnimmt:

Unterschwellig kann es sein, dass die Psyche Ihres Kindes den fremden Schlafplatz noch nicht ganz akzeptiert hat und sich erst einmal daran gewöhnen muss.

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Tipp: Nehmen Sie von Daheim Spielzeug, ein Kuschelkissen oder auch Dinge wie den persönlichen Kinderwecker mit, um Vertrautheit zu schaffen.

Gleiches gilt für psychologischen Stress. Ein Umzug, der Wechsel eines Kindergartens oder der Schulklasse oder die groß anstehende Einschulung können bei Ihrem Kind im Unterbewusstsein einen bleibenden Eindruck hinterlassen und den Nachtschreck auslösen.

Sobald das Nervensystem Ihres Kindes vollends ausgereift und entwickelt ist, verliert sich diese Schlafstörung.

Dies geschieht in der Regel, wenn Ihr Kind das Schulalter erreicht hat. Der Nachtschreck verschwindet ganz unspektakulär und unangekündigt, wie er auch gekommen ist.

Was kann ich während des Nachtschrecks für mein Kind tun?

So unangenehm es vielleicht klingen mag: Aber Sie können in diesen Momenten Ihrem Kind leider gar nicht helfen.

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Versuchen Sie also gar nicht, Ihr Kind zu trösten oder es auf den Arm zu nehmen. Es könnte wild um sich schlagen und lässt sich in diesem Zustand nur schwerlich wecken.

Es ist nicht empfehlenswert, Ihr Kind aufzuwecken.

Es befindet sich noch in der tiefen Schlafphase und daher ist es ohnehin schwierig, Ihr Kind wachkriegen. Sie würden Ihr Kind nur zusätzlich verwirren und noch orientierungsloser im Bett zurücklassen.

Schließlich müsste Ihr Kind auch nach dem Aufwachen wieder einschlafen, was kein leichtes Unterfangen sein kann.

Reißen Sie Ihr Kind also lieber nicht aus dieser tiefen Schlafphase, so unangenehm es wirkt und so gerne Sie etwas für Ihr Kind tun würden.

  • Da auch durch den Nachtschreck keine unmittelbare gesundheitliche Gefahr droht, ist der beste Ratschlag “einfach geschehen lassen”. So ungewöhnlich das auch klingen mag.
  • Das Wichtigste in diesem Moment ist, einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht in Panik zu verfallen. Auch wenn es vielleicht leichter gesagt als getan klingt: Aber bleiben Sie in diesen Momenten gelassen.

Wenn Sie in der Zeit eines Vorfalls diesen gemeinsam mit Ihrem Kind durchstehen und beruhigend auf Ihr Kind einreden möchten, dann können Sie das selbstverständlich tun.

Ihr Kind wird allerdings von alledem nichts mitbekommen.

Zu tief befindet es sich in der Schlafphase und kann keine Informationen von außen verarbeiten. Trotz offener Augen und aktiver Bewegungen dringen keine Informationen ins Bewusstsein Ihres Kindes.

tiefschlafphaseKinder, Erwachsene (und auch Hunde) bekommen in der Tiefschlafphase wenig mit… erst im Nachhinein ist es möglich, schlechte Erlebnisse während der Nacht aufzuarbeiten.

Auch wenn es während dieser Schlafphase redet, so können Sie nicht bewusst mit Ihrem Kind kommunizieren.

Sie können lediglich diese unangenehme Phase abwarten und überstehen, bis Ihr Kind den Nachtschreck von alleine überwindet. Das dauert in der Regel 5 bis 20 Minuten nach dem ersten Schrei.

Alles scheint sich zu normalisieren: Puls, Atmung und Herzfrequenz funktionieren wieder im geregelten Rhythmus.

In der Regel schafft Ihr Kind es dann auch schnell von alleine, sich zu beruhigen und wieder in die nächste Schlafphase einzutreten ohne zwischendurch aufzuwachen. Ihr Kind kann sich dann am nächsten Morgen nicht mehr an Vorfall aus der letzten Nacht erinnern.

Das Erlebnis an die nächtliche Begebenheit werden weder vom Kind bewusst wahrgenommen, noch irgendwo gespeichert. Im Gegensatz zu einem Albtraum kann Ihr Kind keinerlei Erinnerungen an diesen Moment aufbauen und am nächsten Morgen wieder hervorrufen.

Für Ihr Kind ist es so, als hätte dieser Vorfall niemals stattgefunden. Daher rate ich es Ihnen ab, Ihrem Kind davon am nächsten Tag davon zu erzählen. Es fällt ohnehin sehr schwer zu glauben, was selber nicht bewusst erlebt wird.

  • Und zusätzlich Ihr Kind zu beunruhigen und eine respektvolle Distanz oder gar Angst vor dem Schlafengehen zu erzeugen ist keine gute Idee.
  • Besprechen Sie das ganze lieber mit Ihrem Partner und diskutieren Sie dieses Thema während des nächsten Besuches beim Kinderarztes.

Allerdings können Sie passiv Ihrem Kind während eines Vorfalls helfen. Einige Kinder mit Nachtschreck erleben diese Phase so aktiv, dass sie in Kombination mit Schlafwandeln auftreten können.

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Indem Sie allerlei Unfall- und Sturzgefahren rund um das Bett beseitigen, stellen Sie sicher, dass während eines solchen Vorfalls im Kinderzimmer nichts Schlimmes geschehen kann.

Sind in der Nähe des Kinderzimmers Treppenstufen? Schläft Ihr Kind in einem Hochbett?

Sichern Sie das Hochbett mit einem zusätzlichem Rausfallschutz, sodass Stürze und Verletzungen vermieden werden. Gleiches gilt für unförmige Ecken und Kanten an den Bettkanten- oder Pfosten.

Entfernen Sie Spielzeuge und alles was Rollen oder Räder hat im Bereich rund um das Kinderbett. Ihr Kind könnte bei diesen Hindernissen auf dem Boden Ausrutschen und stürzen.

Möglicherweise hilft auch ein spezielles Autobett oder Prinzessinnenbett, das für zusätzliche Geborgenheit sorgt.

Und ein wenig Ordnung im Kinderzimmer hat noch nie geschadet!

Wie entsteht der Nachtschreck?

Es mag zunächst den Anschein erwecken, dass der Nachtschreck ein sehr lebhaft wahrgenommener schwerer Traum des Kindes ist. Das ist allerdings nicht der Fall und wird gerne verwechselt.

Leidet Ihr Kind am Nachtschreck, so ist es nicht vollständig erwacht. Obwohl es die zuvor beschriebenen Anzeichen für eine Wachphase zeigt, befindet sich Ihr Kind noch in der Non-REM-Schlafphase. Diese besteht aus drei Teilphasen:

  1. Phase zwischen Wachen und Schlafen
  2. Stabiler Schlaf
  3. Tiefschlaf

Am Ende der dritten Teilphase der Non-REM-Schlafphase findet der Übergang zur REM-Phase (REM = Rapid Eye Movement) statt.

REM Tiefschlafphase

Der Übergang aus der Tief- in die Traumschlafphase funktioniert bei Kindern noch nicht wie bei den erwachsenen Körpern. Obwohl das Bewusstsein des Kindes noch in einem Schlafzustand scheint, befindet sich der Körper schon in der REM-Wachphase.

  • In dieser tiefen Schlafphase haben wir Menschen eine reduzierte Gehirnaktivität und auch keine typischen Augenbewegungen während des Schlafes.
  • Das Gehirn und das Nervensystem unserer Kinder befindet sich wie der Rest des Körpers noch im Wachstum und ist noch nicht vollständig entwickelt und ausgereift.

Da die Kinder während des Tages vielmehr erleben und lernen als wir Erwachsenen, müssen auch vielmehr Informationen im Schlaf verarbeitet werden. Das ist eine wahre Mammutaufgabe für ein kleines Kind.

Diese Art Reizüberflutung ist aufgrund der Hülle und Fülle von Informationen während des Tages aber normal. Je aufregender und ereignisreicher das Tagesprogramm der Kinder ist, desto mehr gilt es im Schlaf zu verarbeiten.

Anders ausgedrückt: Je weniger Freizeitaktivitäten und Verpflichtungen Sie Ihrem Kind aufbürden, desto geringer ist die Chance auf einen Nachtschreck.

Weniger Termine pro Woche, weniger Stress und die Kindheit ein wenig zu entschleunigen kann sich positiv auf die nervliche und psychologische Entwicklung Ihres Kindes auswirken.

Gibt es Möglichkeiten, um dem Nachtschreck vorzubeugen?

Ja!

Indem die oben aufgelisteten Auslöser frühzeitig identifiziert und vermieden werden, wird gleichzeitig auch die Chance auf den Nachtschreck minimiert.

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Dies ist allerdings leichter gesagt, als getan. Während vielleicht gegen Übermüdung und Erschöpfung noch rechtzeitig und vorausschauend von der Elternseite etwas getan werden kann, so scheinen einige Dinge unvermeidlich:

Einen Schulwechsel oder das vom Kinderarzt neu verabreichte Medikament lässt sich nicht so schnell umgehen.

Dennoch gibt es einige Dinge, die Sie für Ihr Kind tun können, damit die Risiken eines Nachtschreckes minimiert werden.

Feste Einschlafzeiten und –rituale können dem Nachtschreck vorbeugen.

Digitale Bildschirme von Computern, Fernsehern oder Handheld-Konsolen sollten Sie tunlichst vorm Zubettgehen vermieden. Kurz vor der Einschlafphase aktivieren sie das Gehirn der Kinder und setzen es noch zusätzlich unter Aufregung und Stress.

Das blaue Licht stört zudem die körpereigenen Schlafhormone (das gilt übrigens auch für Erwachsene - eine Blaulichtfilterbrille kann helfen).

Indem Sie mit Ihrem Kind vor dem Zubettgehen über den Tag sprechen und gemeinsam die Erlebnisse Revue passieren lassen, beruhigen Sie das Unterbewusstsein Ihres Kindes und bereiten es auf die Nachtruhe vor.

Dies kann auch mit kleineren Einschlafhilfen gelingen. Ob es ein gemeinsam gesungenes Liedchen ist, beruhigendes Musikkissen oder ein verspieltes Nachtlicht: Indem sich Ihr Kind auf den Moment des Zubettgehens vorbereiten und vielleicht sogar freuen kann, wird Stress reduziert und aktiv abgebaut.

Es kann darüber hinaus nicht schaden, gemeinsam mit dem Kind Entspannungs- oder Meditationstechniken (autogenes Training) zu üben. Diese gelten als effektivste Methode um Stress entgegenzuwirken.

Was gegen Nachtschreck nicht hilft

Einige Ratgeber im Internet empfehlen Globuli, Schüssler-Salze und andere dubiose Mittel gegen Nachtschreck.

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Lassen Sie sich gesagt sein, dass diese Behandlungsmethoden ohnehin homöopathischer Natur sind und bis auf ein Placebo-Effekt keine wissenschaftliche Wirksamkeit nachgewiesen werden kann.

Und da ein Kind wahrscheinlich schon die Wirksamkeit eines normalen Medikamentes durch medizinisches Vokabular nicht nachvollziehen kann, so wird ein Placebo-Effekt noch viel schwieriger zu vermitteln sein.

Die Einnahme eines Mittelchens um besser und problemfreier schlafen zu können und den Nachtschreck auszuschließen klingt natürlich verlockend und zu schön um wahr zu sein.

Da die Ursachen des Nachtschrecks oftmals tiefgründiger, psychologischer Natur sind, gelangen homöopathische Mittel schnell an ihre Grenzen und verfehlen jeden Anwendungszweck.

Was hingegen helfen kann, sind natürliche Schlafmittel zur Beruhigung - erwarten Sie hier aber keine Wunder.

Was gegen Nachtschreck sonst noch hilft

Sorgen Sie dafür, dass sich der Schlafbereich Ihres Kindes so wohl wie möglich anfühlt. Ihrem Kind soll der Stress genommen werden und es soll sich so bequem und geborgen wie möglich fühlen.

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Je ruhiger und abgedunkelter die Schlafumgebung ist, desto besser. Achten Sie ebenfalls auf eine angenehm temperierte Schlafumgebung.

Ausreichend Luftzufuhr durch offene Fenster und die Wahl der richtigen Kinderdecke können einen leicht positiven Effekt auf die Schlafqualität Ihres Kindes haben (Gewichtsdecken bieten vielen Menschen z.B. zusätzliche Geborgenheit).

Auch ein passendes Kopfkissen oder Kuschelkissen sorgt für zusätzliche Entspannung während der Nacht.

Sofern Ihr Kind sich an ein brennendes Nachtlicht als Einschlafhilfe oder gar Einschlafritual gewöhnt hat, umso besser.

Ich hoffe, dass ich Ihnen mit diesem Artikel rund um das Thema Nachtschreck weiterhelfen konnte. Am allerwichtigsten ist es, Ruhe zu bewahren und Gelassenheit zu zeigen. In den allermeisten Fällen gehen Nachtschrecken wie von alleine wieder weg.

Auch wenn der erste Vorfall Ihres Kindes in der Nacht beängstigend erscheint, so hoffe ich für Ihr Kind (und natürlich auch Sie), dass diese Phasen nicht allzu häufig und nicht allzu heftig geschehen.

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